Partnersuche im Internet

Bei der Online-Bewerbung kommt es auf Feinheiten an – zum Beispiel darauf, die richtigen Schlüsselwörter zu verwenden.

 

Die Zukunft hat viele Namen: Für Schwache ist sie das Unerreichbare, für die Furchtsamen das Unbekannte, für die Mutigen die Chance.

Victor Hugo

 

Die Romanistin (52) hämmerte während der Beratung mit dem Zeigefinger aufs Papier: »In der Ausschreibung heißt es doch: ›Bewerbung per E-Mail oder per Briefpost‹.« Ihre letzten drei Stellen habe sie auf dem Postweg ergattert – warum diesmal nicht auch? Weil seither zehn Jahre vergangen sind. Und weil die Online-Bewerbung, damals noch ein Exot, heute zum Standard geworden ist. Wer immer noch den Postweg einschlägt, läuft Gefahr, als Typ von Vorgestern, als Furchtsamer, der das Unbekannte meidet (wie Victor Hugo es ausdrückt), abgestempelt zu werden.

Doch wie gelingt eine Online-Bewerbung? Viele Fettnäpfe lauern, das geht schon bei der E-Mail-Adresse los. Wer seine Unterlagen als paul@web.de verschickt, obwohl er mit Nachnamen Müller heißt, bietet dem Personaler indirekt das Du an – keine gute Idee! Die E-Mail-Adresse sollte aus dem kompletten Namen bestehen, nicht aus Abkürzungen oder Pseudonymen.

Manche Firmen laden Sie ein, Ihren Lebenslauf in ein Bewerbungsformular zu tippen. Der Trick: Greifen Sie möglichst viele Schlüsselwörter aus der Ausschreibung auf. So fällt der Scheinwerfer auf Sie, wenn die Texte automatisch durchsucht werden, was oft passiert.

Eine andere Möglichkeit, um aufzufallen, ist das Gewicht Ihrer Daten. Wer zehn Megabyte auf die Reise schickt, bringt Computer ins Schleudern und Personalchefs zum Fluchen. Dagegen transportiert eine kleine Datenmenge von maximal zwei Megabyte die Botschaft: Dieser Bewerber denkt empfängerfreundlich, wird also auch kundenfreundlich arbeiten. Die Kunst besteht darin, Daten nicht nur zu komprimieren, sondern vor allem wegzulassen. Fassen Sie Dokumente zweiter Wahl, zum Beispiel ältere Fortbildungszertifikate, auf einer Liste zusammen und bieten Sie an, diese Papiere auf Wunsch nachzureichen.

Weniger ist mehr, auch beim Versand: Rauben Sie dem Empfänger keine Zeit, indem Sie ihn zum Anklicken vieler Anhänge nötigen, sondern packen Sie alle Unterlagen in ein einziges pdf-Dokument, inklusive Anschreiben.

Wenn alles komplett ist, folgt die Generalprobe: Mailen Sie Ihre Bewerbung einem Vertrauten zu. Kommen die Unterlagen wie gewünscht an? Lässt sich das pdf öffnen? Wenn ja, eröffnen sich Ihnen neue Chancen. Auch die Romanistin fand schließlich auf dem virtuellen Weg einen handfesten Job.

 

Martin Wehrle ist Erfolgsautor und „Deutschlands bekanntester Karriereberater“ (Focus). Gerade ist sein neuer Spiegel-Bestseller erschienen: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“. An seiner Akademie bietet er eine Coaching-Ausbildung an und berät Menschen in Karrierefragen: www.karriereberater-akademie.de

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